Kunst

von Christian

Die Idee

Als wir vor ein paar Jahren umzogen, wollten wir gerne Bilder aufhängen. Keine Drucke sondern Originale. Nach einem Umzug sind die finanziellen Ressourcen meistens erschöpft. Der Erwerb von Originalbildern gestaltet sich schwierig.

„Was hältst du davon, wenn ich die Bilder male?“, schlug ich meinem Mann vor. „Damit wären wir autark. Es wäre egal, ob sie unverkäuflich oder zu teuer sind.“

Er druckste verhalten herum. Etwas wie: „Können wir ja noch überlegen.“

Begeisterung war das nicht. Bisher kannte er mich als Hausfrau und Mutter. Er wusste, ich kann kochen und backen, aber Künstlerin? Er konnte sich nicht vorstellen, dass ich etwas malen könnte, was im weitesten Sinne Kunst sein könnte. Vielleicht fürchtete er, ich würde direkt auf die Wände malen. Wollte ich nicht. Ich jedenfalls dachte an Bilder. Die haben den Vorteil, dass man sie abhängen kann, wenn man sie nicht mag.

Es würde aber nicht schaden, erst einmal zu üben. Ich hatte gelesen, dass Maler am Anfang ihrer Lehrzeit alte Meister kopierten. Bis mir etwas anderes einfiel, um besser zu werden, war das bestimmt ein guter Plan. Aber was wäre, wenn ich einen Rembrandt perfekt kopierte? Wer würde mir glauben, dass das ein Versehen war? Rein zu Übungszwecken? Das würde noch nicht einmal ich glauben, wenn ich das irgendwo höre. Ich müsste also etwas malen, wodurch ich definitiv nicht des Betrugs beschuldigt werden würde.

Was könnte ich da malen?

Was für ein Motiv wurde noch nicht allzu oft gemalt?

Die Suche nach dem Motiv

Natürlich gibt es heutzutage allerlei moderne Gerätschaften, die auf Bildern des 19. Jahrhunderts bestimmt nicht aufgetaucht sind: Ein Rennrad oder ein Fahrradhelm. Aber „malogen“ wäre das nicht. So was würde ich daheim nicht aufhängen wollen. Noch nicht mal von Picasso persönlich geschenkt. Ich könnte irgendwelche Leute malen.

Wahrscheinlich wäre das auch nicht in Ordnung, weil es das Recht am eigenen Bild gibt. Was gibt es denn für Tiere? Am besten sind solche, die ich hier regelmäßig beobachten kann.

Vögel bleiben nie lang genug sitzen, um sie zu skizzieren. Ich will keine Geschwindigkeitsrekorde im Malen brechen. Ich will einfach nur Bilder malen, die mir und meiner Familie gefallen.

Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich hier Kühe grasen.

Perfekt.

Kühe wurden noch nicht so häufig portraitiert, bewegen sich gemächlich und sehen gut aus. Sie sind geeignete Motive, die ich mir an die Wand hängen würde. Warum ich da nicht gleich drauf gekommen bin?

Welchen Künstler sollte ich imitieren?

Dafür Ideen zu finden, ist heute kein Problem mehr. Das Internet ist voller Maler. Beim Recherchieren stieß ich immer wieder auf Künstlerkolonien. In einigen hatten sich Maler ein Motto gegeben. Sie setzten dieses Motto in ihren Bildern um. Beim Malen schweiften meine Gedanken um diese Kolonien.